AstroTobi

Willkommen in meiner Welt der Sterne

14″ Spiegel

Prolog

Hier mal wieder was aus der DIY-Ecke, oder einfach gesagt, Selbermachen.
Viele wissen es vielleicht nicht, aber man kann tatsĂ€chlich einen Teleskopspiegel selbst herstellen. Ich dachte zuerst auch, dass das viel zu kompliziert ist und verfolgte es nicht weiter, bis ich per Zufall gĂŒnstig an 2 schöne Glasplatten kam. Und schon war ein neues Projekt geboren:
Einen 14″ (355mm) Spiegel selbst schleifen.

Wenn man sich den Spiegel selbst macht, hat man bezĂŒglich der Daten ziemlich viel Spielraum. Man kann zB. sehr viel Brennweite einplanen und so einen “Planeten-Killer” bekommen, oder mit sehr kurzer Brennweite eine “Lichtkanone”.
Ersteres ist leichter herzustellen, aber nicht so lichtstark. Das Zweite wird eigentlich immer favorisiert, ist aber schwerer zu realisieren.
Man sollte es mit der Brennweite und damit mit dem ÖffnungsverhĂ€ltnis (F/D) nicht ĂŒbertreiben, denn je kĂŒrzer, desto schwerer ist es spĂ€ter eine gute Parabel erreichen. F/5 ist ein guter Kompromiss und besonders fĂŒr des ersten eigenen Spiegel schon sportlich genug.

So auch in meinem Fall. Allerdings gab es ein paar UnregelmĂ€ĂŸigkeiten; Zum Einen war der Glasrohling seeehr dĂŒnn (19mm), zum Anderen nicht aus dem ĂŒblichen Pyrex, Zerodur oder anderer hochwertiger GlĂ€ser, sondern aus stinknormalem Float(Fenster)Glas.

Um einen Spiegel zu schleifen benötigt man natĂŒrlich Schleifmittel. Der bekannteste Lieferant dafĂŒr ist wohl Stahtis, bei dem auch ich die nötigen PĂŒlverchen bestellt hatte.

Schleifen

Wenn man alles zusammen und einen stabilen Tisch hat, kann es endlich losgehen.
Im Prinzip sind die Schritte wie folgt:
– Grobschliff
– Feinschliff
– Politur
– Parabolisierung

Der Grobschliff

Der Grobschliff hat die Funktion die grobe Form herzustellen. Eine SphĂ€re. Man baggert also mit dem gröbsten Korn (bei mir K80) eine Senke ins Glas, deren Pfeiltiefe von der gewĂ€hlten Brennweite abhĂ€ngt. Je kĂŒrzer, desto tiefer.
HierfĂŒr gibt man etwas Pulver und Wasser zwischen die beiden Scheiben (Rohling & Tool) und schleift möglichst chaotisch mit lautem Knirschen vor sich hin. Die Schwerkraft und etwas Druck erledigen dann den Rest.

Hier wurde eine Fase geschliffen, um MuschelbrĂŒche zu vermeiden.

Ist die Pfeiltiefe erreicht, muss die Form sphĂ€risch gemacht werden, falls das nicht schon der Fall ist. Das wird mit einem Filzstift getestet. Man zeichnet ein paar Linien auf die geschliffenen FlĂ€chen und schleift ein paar Minuten weiter. Verschwinden diese gleichmĂ€ĂŸig ist alles ok, ansonsten muss nachgebessert werden.

 

Der Feinschliff

Der Feinschliff beseitigt die Löcher in der OberflĂ€che der vorherigen Körnung. Die Abstufung bei mir war; K180,K320, 24”, 15”, 9”. Ab 24” fangen die beiden Scheiben an zu saugen, wenn man nicht aufpasst. Sie kleben dann aneinander und sind nur extrem schwer wieder zu lösen. Dabei habe ich mir auch ein paar MuschlebrĂŒche am zugezogen, sowas lĂ€sst sich kaum vermeiden. Es ist ein Ă€hnlicher Effekt wie bei den Magdeburger Halbkugeln.

Pause zur Reinigung von durchgeschliffenem Schleifbrei

Die GerÀuschkulisse wird mit jeder weiteren Körnung immer leiser und die OberflÀche immer glatter (samtartig). Bis bei der letzten Körnung fast nichts mehr zu hören ist und der Spiegel im streifenden Licht schon spiegelt.

Löcher in der OberfÀche (sog. Pits) sind mikroskopisch klein und werden mit Durchlicht und Lupe gesucht.

Sind alle Löcher ausgeschliffen und die SphÀre stimmt, wird es richtig spannend:

Die Pechhaut

Um zur Politur ĂŒberzugehen und spĂ€ter zu parabolisieren, wird auf dem Tool eine Pechhaut benötigt. Das Poliermittel kann in diese etwas einsinken und entfaltet so seine Wirkung.

So wird das Pech eingeschmolzen

eine zugeschnittene Auto-Fußmatte sorgt fĂŒr ein “Schokoladentafel”-Muster in der OberflĂ€che der Pechhaut. Es gibt viele verschieden Möglichkeite so ein Muster zu erzeugen, hier ist nur ein Beispiel. Das verhindert effektiv das oben erwĂ€hnte Saugen und sorgt fĂŒr eine perfekte Anpassung der Pechhaut an der Spiegel.
(Das Pech gießen geht sehr gut, aber das anschließende Entfernen der Reste ist eine furchtbare Sauerei)

Fertiges Poliertool

 

Die Politur

Die Politur hat die Aufgabe die Rauhe OberflĂ€che des Schliffe zu glĂ€tten, bzw. noch vorhandene Löcher “zuschmieren”. Das ist entgegen dem Schleifen zum Teil ein chemischer Prozess indem Glas an der einen Stelle angelöst und dann an anderer Stelle angelagert wird.

Der Spiegel ist auspoliert wenn alle Löcher in der OberflÀche beseitigt sind.
Jetzt glÀnzt er schon und ist spiegelglatt. Man könnte meinen er sei fertig, aber wir haben ja immernoch eine SphÀre und wollen eine Parabel. Deshalb geht es dann weiter zum letzten Schritt.

 

Das Parabolisieren

Das ist der Spannendste Teil des Spiegelschleifens und es kann auch der lÀngste werden. Je nachdem welchen Anspruch man an das Ergebnis hat, geht es sich hier doch um wenige nm.
Zum Parabolisieren benötigt man einen Focault-Tester. Mit ihm werden die Schnittweitendifferenzen der einzelnen Zonen gemessen.Er zeigt ein feinste Unterschiede des Spiegel, und zB auch in der Luft dazwischen. Man kann noch 30-60 sec danach sehen, ob jemand vorbeigelaufen ist!

Der Focault-Tester

 

Das Schlierenbild

Beim Parabolisieren muss der KrĂŒmmungsradius zur Mitte hin verkĂŒrzt werden. Um diese zu messen, benutzt man vorher gewĂ€hlte Zonen, deren Brennweitendifferenz man misst.
Die gemessenen Werte (relativ! nicht absolut) werden in ein Auswerteprogramm eingegeben. Dieses spuckt eine Kurve aus, welche die QualitÀt der Parabel und damit des Spiegels zeigt.

Spiegel am Anfang. Hier war noch viel zu tun.

Mit dieser Kurve habe ich ihn fĂŒr Fertig erklĂ€rt.

Der Fertig geschliffene Spiegel wird nun zu einer Firma gegeben, die ihn mit einer hochreflektiven Aluminium-Schicht und einer Siliziumoxid-Schutzschicht belegt.

 

Fazit:

Nach 2 NĂ€chten testen und Beobachten in der Eifel bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich kann nur jedem Interessierten empfehlen es auch mal auszuprobieren und sich seinen/ihren eigenen Spiegel zu Schleifen. Es ist einfacher als man glaubt und ein tolles GefĂŒhl mit dem >wirklich< eigenen Teleskop in den Nachthimmel zu schauen.

First Light!

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